Parotitis epidemica

 

Als paraneoplastische neurologische Syndrome werden Komplikationen von Tumorerkrankungen bezeichnet, die nicht durch den Tumor selbst, seine Metastasen oder vaskuläre, infektiöse, metabolische oder therapiebedingte Ursachen ausgelöst sind.

Die Möglichkeit einer paraneoplastischen Ätiologie sollte in fast jeder neurologischen Differentialdiagnose beachtet werden. Paraneoplastische Syndrome können fluktuieren, benigne verlaufen und psychiatrische und untypische Symptome zeigen. Insbesondere sollte in folgenden Fällen an ein paraneoplastisches Syndrom gedacht werden, wenn die Beschwerden nicht anderweitig ätiologisch zugeordnet werden können:

 

Depression, Gedächtnisstörung: Limbische Enzephalitis

Fieber unklarer Ätiologie: Limbische Enzephalitis

Paralytischer Ileus: Autonome Polyneuropathie

Schwäche und Mundtrockenheit: Lambert-Eaton Myasthenie Syndrom

 

Die paraneoplastische Ätiologie eines neurologischen Syndroms ist klinisch wahrscheinlich wenn:

 

zwischen Beginn der neurologischen Symptomatik und der Tumordiagnose nicht mehr als 4 Jahre vergehen

wesentliche Differentialdiagnosen untersucht worden sind

(optional) die Liquorpunktion pathologische Ergebnisse zeigt (einschließlich Bestimmung oligoklonaler Banden)

(optional) eine Besserung der neurologischen Symptome nach Tumortherapie auftritt

Im Rahmen der Diagnostik dieser Syndrome stellen Autoantikörper gegen onkoneuronale Antigene wichtige Wegweiser dar. Diese lassen sich bei zwei Drittel der Patienten mit paraneoplastischen neurologischen Syndromen nachweisen und sind oft das erste Zeichen des zugrunde liegenden Tumors. Diese Antikörper beweisen nicht nur die paraneoplastische Ätiologie, sondern erleichtern auch aufgrund der Assoziation mit bestimmten Tumoren die Suche nach dem Primärtumor.

Die zusätzliche Bestimmung der Autoantikörper im Liquor kann eine diagnostische Hilfe darstellen. Fast alle Antikörper-positiven paraneoplastischen Patienten mit zentraler Symptomatik zeigen eine intrathekale Synthese der spezifischen Antikörper.

Wir möchten Ihnen nachfolgend einen Überblick über die häufigsten, relevanten Antikörper geben. Umseitig finden Sie eine zusammenfassende Tabelle zu neuronalen Erkrankung und vorkommenden Antikörpern.

 

SCLC: kleinzell. bronchial Ca

Hinweis zur alten Nomenklatur: PCA-1 = Yo,  ANNA-1 = Hu, ANNA-2/NOVA-1 = Ri

Folgende anti-neuronale Antikörper-Reaktivitäten (geordnet nach Häufigkeit des Vorkommens) sollten bei klinischem Verdacht auf ein paraneoplastisches Syndrom (anatomisch geordnet) bestimmt werden und deuten im positiven Falle auf folgende Tumoren hin:

 

 

 

 

Neuronale Erkrankung

 

Antikörper

 

Verursachender Tumor

 

 

Retinopathie

 

Anti-Recoverin

 

Lunge

 

 

 

Anti-Hu

 

SCLC, Prostata-Ca, Neuroblastom

 

 

Limbische Enzephalitis

 

Anti-Hu

 

SCLC, Prostata-Ca, Neuroblastom

 

 

 

Anti-Ta

 

Seminom

 

 

 

Anti-Ma

 

verschiedene

 

 

 

Anti-CV2/CRMP5

 

SCLC, Thymom

 

 

 

ANNA-3

 

Lunge

 

 

Fokale Epilepsie

 

Anti-Hu

 

SCLC, Prostata-Ca, Neuroblastom

 

 

 

Anti-Ta

 

Seminom

 

 

 

Anti-Ma

 

verschiedene

 

 

 

Anti-CV2/CRMP5

 

SCLC, Thymom

 

 

 

ANNA-3

 

Lunge

 

 

Opsoklonus-Myoklonus-Ataxie

 

Anti-Hu

 

SCLC, Prostata-Ca, Neuroblastom

 

 

 

Anti-Yo

 

Mamma-Ca, Ovarial-Ca

 

 

 

Anti-Ta

 

Seminom

 

 

 

Anti-Ma

 

verschiedene

 

 

 

Anti-Ri

 

Mamma-Ca, Ovarial-Ca

 

 

 

Anti-CV2/CRMP5

 

SCLC, Thymom

 

 

 

ANNA-3

 

Lunge

 

 

Rhombenzephalitis

 

Anti-Hu

 

SCLC, Prostata-Ca, Neuroblastom

 

 

 

Anti-Ta

 

Seminom

 

 

 

Anti-Ma

 

verschiedene

 

 

 

Anti-Ri

 

Mamma-Ca, Ovarial-Ca

 

 

Extrapyramidal motorische

 

Anti-Hu

 

SCLC, Prostata-Ca, Neuroblastom

 

 

Syndrome

 

Anti-Ta

 

Seminom

 

 

 

Anti-Ma

 

verschiedene

 

 

 

Anti-CV2/CRMP5

 

SCLC, Thymom

 

 

 

ANNA-3

 

Lunge

 

 

Kleinhirndegeneration

 

Anti-Hu

 

SCLC, Prostata-Ca, Neuroblastom

 

 

 

Anti-Yo

 

Mamma-Ca, Ovarial-Ca

 

 

 

Anti-Ta

 

Seminom

 

 

 

Anti-Ma

 

verschiedene

 

 

 

Anti-Tr

 

M. Hodgkin

 

 

 

Anti-CV2/CRMP5

 

SCLC, Thymom

 

 

 

ANNA-3

 

Lunge

 

 

 

PCA-2

 

Lunge

 

 

Myelitis

 

Anti-Hu

 

SCLC, Prostata-Ca, Neuroblastom

 

 

Polyneuropathie

 

Anti-Hu

 

SCLC, Prostata-Ca, Neuroblastom

 

 

(autonom, sensibel,

 

Anti-CV2/CRMP5

 

SCLC, Thymom

 

 

sensomotorisch)

 

ANNA-3

 

Lunge

 

 

 

Anti-Amphiphysin

 

SCLC

 

 

Mononeuropathie

 

Anti-Hu

 

SCLC, Prostata-Ca, Neuroblastom

 

 

Motoneuron-Syndrome

 

Anti-Hu

 

SCLC, Prostata-Ca, Neuroblastom

 

 

LEMS

 

Anti-Hu

 

SCLC, Prostata-Ca, Neuroblastom

 

 

 

Anti-Amphiphysin

 

SCLC

 

 

Myasthenia gravis

 

Anti-Titin

 

Thymom

 

 

Stiff-man Syndrom

 

Anti-Amphiphysin

 

Mamma-Ca