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Abrechnung nach der neuen Laborreform

Am 01. April 2018 trat die neue Laborreform in Kraft. Sie enthält neben Änderungen zum Wirtschaftlichkeitsbonus auch grundlegende Änderungen bei den Ausnahmekennziffern. So wurde eine Ziffer neu eingeführt, andere Ziffern wurden gestrichen oder modifiziert.

Auch die Menge der budgetfreien Leistungen wurde durch die Zuordnung festgelegter Gebührenordnungspositionen je Kennziffer konkretisiert und weiter eingegrenzt.

Wir haben hier die wichtigsten Informationen für Sie zusammengestellt.
 

    Wirtschaftlichkeitsbonus

    Mit der ersten Laborreform im Jahr 1999 wurden mit dem Ziel der Mengenbegrenzung erstmalig Budgets sowie ein Wirtschaftlichkeitsbonus für niedergelassene Ärzte eingeführt.1

    Fast 20 Jahre später ist mit der Laborreform 2018 die Berechnung des Wirtschaftlichkeitsbonus erneut angepasst worden. Um den jährlichen Kostenanstieg von Laboranforderungen zu reduzieren, wurden neue Anreize hinsichtlich wirtschaftlicher Vergütung gesetzt. 

    Niedergelassene Ärzte können einen Wirtschaftlichkeitsbonus erhalten. Dafür werden die durchschnittlichen Laborkosten eines Arztes je Behandlungsfall (individueller Fallwert) mit dem Fallwert der jeweiligen Arztgruppe verglichen. Es werden obere und untere begrenzende Fallwerte gebildet, mit der der arztindividuelle Fallwert für veranlasste, bezogene oder selbst erbrachte Laboruntersuchungen verglichen wird.

    Der Wirtschaftlichkeitsbonus kann in voller Höhe, anteilig oder nicht ausgezahlt werden. Es besteht jedoch im Rahmen des Laborbudgets derzeitig keine Regressgefahr. Ausführliche Informationen zum Hintergrund der Laborreform und zur Berechnung des Wirtschaftlichkeitsbonus bietet die Kassenärztliche Bundesvereinigung.

    Ausnahmekennziffern – das ändert sich mit der Laborreform

    Seit dem zweiten Quartal 2018 können nur noch 16 anstatt der bisher 18 Ausnahmekennziffern zur extrabudgetären Vergütung angegeben werden. Auch die Menge der budgetfreien Leistungen wurde durch die Zuordnung festgelegter Gebührenordnungspositionen je Kennziffer konkretisiert und weiter eingegrenzt. Die nebenstehend beispielhaft aufgeführten Gebührenordnungspositionen belasten unter der Angabe der AKZ 32022 bei einem Behandlungsfall nicht das Laborbudget.

    Es ist möglich, dass für einen Patienten im Behandlungsfall mehrere Ausnahmekennziffern gelten. Des Weiteren müssen zukünftig die Ausnahmekennziffern direkt mit der Quartalsabrechnung an die Kassenärztliche Vereinigung übermittelt werden und nicht mehr an das Labor.

    Übersicht Ausnahmekennziffern als PDF

    FAQ zur Abrechnung

    Wo werden die verschiedenen Ausnahmekennziffern auf dem Muster 10-Schein eingetragen?

    Die Ausnahmekennziffern müssen ausschließlich im Arztinformationssystem eingetragen werden und mit der Quartalsabrechnung direkt an die Kassenärztliche Vereinigung übermittelt werden. Bitte übermitteln Sie keine Ausnahmekennziffern an amedes.

    Muss zusätzlich zur Ausnahmekennziffer auch die Gebührenordnungsposition angegeben werden?

    Nein, es muss nur die Ausnahmekennziffer im Arztinformationssystem angegeben werden. Die Laborleistungen, die von der amedes erbracht werden, werden über die Gebührenordnungsposition von der amedes abgerechnet.

    Wo gebe ich seit dem 01.04.2018 die Ausnahmekennziffern ein, wenn die Angabe mehrerer Ausnahmekennziffern auf dem Muster 10-Schein nicht möglich ist?

    Die Ausnahmekennziffern müssen in der Praxissoftware hinterlegt werden und mit der Quartalsabrechnung an die Kassenärztliche Vereinigung übermittelt werden.

    Muss die Ausnahmekennziffer bei gleicher Laborparameterabfrage mehrmals im Quartal angegeben werden?

    Die Ausnahmekennziffer gilt pro Behandlungsfall und muss deswegen nur einmal im Quartal angegeben werden. Der Eintragungszeitpunkt in Ihre Praxissoftware für die Quartalsabrechnung im jeweiligen Quartal ist nicht vorgegeben. Bitte beachten Sie, dass ggfs. mehrere AKZ im Quartal pro Behandlungsfall zutreffen.

    Die Ausnahmekennziffer 32016 wurde gestrichen. Belasten die präoperativen Leistungen nun das Laborbudget?

    Nein, die Gebührenordnungsposition 32125 „präoperative Leistungen“ belastet nicht das Laborbudget.

    Wann gebe ich die Ausnahmekennziffer 32007 an?

    Die AKZ 32007 trifft nun nur noch bei Leistungen im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge bei Vertretung, im Notfall oder bei Mit- bzw. Weiterbehandlung zu.

    Laborleistungen entsprechend der gültigen Mutterschaftsrichtlinie im Rahmen der Mutterschaftsvorsorgeuntersuchungen sind extrabudgetär. Handelt es sich um eine präventive Anforderung, wird eine Gebührenordnungsposition des Kapitels 1.7.4 des Einheitlichen Bewertungsmaßstabs zugrunde gelegt. Geben Sie bei schwangeren Patientinnen bitte die ICD-10 Kodierung „Z34* G**“ oder „MuVo***“ sowie die Schwangerschaftswoche auf dem Muster 10-Schein an.

     

    Erläuterungen:

    Z34*: Überwachung einer normalen Schwangerschaft

    G**: Gesicherte Diagnose

    MuVo***: Mutterschaftsvorsorge


    Ausnahmekennziffer 32004

    Diagnostik zur schnellen und qualitätsgesichterten Antibiotikatherapie extrabudgetär abrechnen

    Antibiotika werden zu oft verschrieben, in Teilen nicht zielgerichtet eingesetzt oder decken ein unnötig breites oder falsches Erregerspektrum ab. So können bei Patienten Resistenzen entstehen, sodass die Wirkung von Antibiotika in diesen Fällen bei einem künftigen Einsatz nicht mehr gegeben ist.

    Laut einer BKK Nordwest-Studie werden deutschlandweit 95 Prozent aller ärztlich verordneten Antibiotika ohne Labordiagnostik veranlasst.2 Um dem entgegenzuwirken, fallen ab dem 01.07.2018 die Laborparameter für die Diagnostik vor Beginn einer Antibiotikatherapie nicht mehr in das Laborbudget. Somit ist die Diagnostik zur schnellen und qualitätsgesicherten Antibiotikatherapie über die Ausnahmekennziffer 32004 extrabudgetär abrechenbar. 

    Es besteht die Hoffnung, dass auf Basis der AKZ 32004 die notwendige Labordiagnostik deutlich häufiger durchgeführt wird, um künftig Antibiotikaresistenzen zu reduzieren oder zu vermeiden.

      Die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie „DART 2020“

      Die Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie DART 2020 wurde 2015 vom Bundesministerium für Gesundheit gemeinsam mit den Bundesministerien für Ernährung und Landwirtschaft sowie Bildung und Forschung erarbeitet. Sie hat das Ziel, Maßnahmen zur Reduzierung von Antibiotika-Resistenzen zu bündeln und zu etablieren. 

      Ziele von DART 20203

      • One-Health-Ansatz stärken,
      • Resistenz-Entwicklungen frühzeitig erkennen,
      • Therapie-Optionen erhalten und verbessern,
      • Infektionsketten frühzeitig unterbrechen und Infektionen vermeiden,
      • Bewusstsein fördern und Kompetenzen stärken,
      • Forschung und Entwicklung unterstützen

      Welche Labordiagnostik ist Bestandteil des Ziffernkranzes?


      Labordiagnostik:

      • Procalcitonin im Serum

      Mikrobiologie:

      • Kulturelle bakteriologische und/oder mykologische Untersuchungen
      • Dazugehörige Empfindlichkeitsprüfung gramnegativer und grampositiver Bakterien
      • Materialien: Urin, Stuhl, Abstrich, Sputum, Punktat, Sekret, Bronchial-Sekret/Bronchial-Lavage, Blutkultur, Liquor, Biopsie/ Exzidat

      Übersicht zur AKZ 32004​​​​​​​

      Bitte sprechen Sie Ihren zuständigen Außendienstmitarbeiter für weitere Informationen an. 

      Literatur

      Nachstehend genannte Quellen wurden verwendet:

      1 Dtsch Arztbl 1999; 96(23): A-1547/B-1211/C-1101
      2BKK-Landesverband NORDWEST, Große Missstände in der Antibiotikaverordnung, Studiendatenerhebung 2014/2015 (abgerufen am 31.05.2018)
      3Bundesministerium für Gesundheit, DART 2020 - Deutsche Antibiotika-Resistenzstrategie (abgerufen am 30.05.2018)